KIRPfarrkirche Ensfeld

Pfarrkirche St. Johannes in Ensfeld / Ruine und Kirche im Spindeltal

Die Geschichte der Wallfahrtskirchen-Ruine reicht zurück bis ins Jahr 1478. Graf Conrad von Helfenstein, damaliger Landvogt von Monheim, erwarb im Jahre 1458 von den Markgrafen von Ansbach Feste und Markt Wellheim als erbliches Lehen. Er soll - so berichtet die Geschichte - ein Gelübde abgelegt haben, der Muttergottes anstelle einer kleinen Wallfahrtskapelle im einsamen Spindeltal eine würdige "Rast" zu errichten. Dieses Gelübde erfüllte er im Jahre 1478 durch die Erbauung eines Gotteshauses. Die Wallfahrt zur Gottesmutter blühte auf.
Nach dem Aussterben der Helfensteiner bemächtigte sich in der Zeit der Reformation (16. Jahrhundert) der zum evang. Glauben konvertierte pfalz-neuburgische Landesherr, Pfalzgraf Ottheinrich, der Einkünfte aus der Spindeltal-Wallfahrt, raubte alle wertvollen Geräte, Meßgewänder und die Glocke und ließ schließlich die helfenstein´sche Kirche zerstören. Ein Jahrhundert danach wußte niemand mehr welcher oder welche Heilige an dieser Stätte damals "gerastet" hatte.
Am 27. Mai 1727 erlitt Franz Ferdinand von Schwab, Herr auf Trippach pfalz-neuburgischer Kastner zu Graisbach, in der Nähe der Spindeltal-Ruine einen Unfall. Trotz schweren Sturzes vom Pferd blieb er unverletzt. Nach seiner Heimkehr vernahm er, daß seine Gemahlin zur selben Stunde, da er vom Pferd gestürzt war, vom Hufschlag eines übermütigen Hengstes ins Gesicht getroffen wurde. Doch auch Sie war vor einer möglichen schweren Verletzung verschont geblieben. Der Kastner erkannte in seiner und seiner Gemahlin Unversehrtheit eine Fügung Gottes und gelobte in der Spindeltalruine ein Zeichen seines Dankes zu errichten.
Er begann sich mit der Geschichte dieser Ruine zu befassen, wobei er bald herausfand, daß die Kirche ehedem der Muttergottes geweiht war. So ließ er seinem Gelübde entsprechend, dort ein sehr schönes und wertvolles Gemälde Mariens mit dem göttlichen Kind als gekrönte Königin des Himmels anbringen. Damit hatte die Kirchenruine im Spindeltal wieder einen Gegenstand der Verehrung und Andacht.
Sofort setzten die Wallfahrten aus den Dörfern der Umgebung wieder ein. Der ebenfalls wieder aufgestellt Opferstock sollte jedoch zum Anstoß für ein zweites Verhängnis werden. Seit Menschengedenken war die Pfarrei Rögling, zur Diözese Eichstätt
gehörig, für die Wallfahrtskirche im Spindeltal zuständig. Doch der damalige Pfarrherr und Dekan der Wellheimer Pfründe, Johann Martinus Perfmann wußte aus seine Pfarrakten, daß das Gebiet, auf dem die Kirchenruine stand, zur ehemaligen Herrschaft Wellheim gehörte, folglich zu seinem Pfarrbezirk zu zählen und damit der Diözese Augsburg unterstellt sei.

 

 

Wallfahrtskirche Spindeltal in Mörnsheim im Naturpark Altmühltal  
Mittlerweile aber hatte der Pfarrherr von Rögling im Jahr 1747 über den Resten des helfensteinischen gotischen Kirchenbaues ein neues Gotteshaus errichtet. Über Jahrzehnte hinweg währte nun ein Streit zwischen den Pfarreien Rögling und Wellheim um die Einnahmen aus der wieder aufgeblühten Wallfahrt im Spindeltal. Angesichts der Unmöglichkeit, diesen Streit zu beenden, ordneten schließlich die Bischöfe von Augsburg und Eichstätt im Jahre 1783 die Auflassung und Zerstörung der Kirche an. Diese war damit zum zweiten Male zur Ruine geworden. Das Gemäuer zerfiel im Verlauf von fast eineinhalb Jahrhunderten immer mehr, wurde von Gestrüpp und Sträuchern umwuchert und wurde so ein fast unheimlicher Ort.
Erst in unserem Jahrhundert, 148 Jahre nach der 2. Zerstörung, sprach man wieder von der Spindeltal-Kirchenruine. Am 5. Dezember 1931 nämlich gab sie ein kostbares Kleinod frei: Der arbeitslose Zimmermann Xaver Kiermeier aus Tagmersheim barg nach sechswöchiger Grabarbeit aus einer Tiefe von 2 Metern unter der ehemaliger Sakristei eine wunderschöne, aus Stein gehauene gotische Madonnenfigur. Man verbrachte sie in die Pfarrkirche von Ensfeld, wo sie heute zu sehen ist. Das Kunstwerk stand sicherlich schon in der gotischen Kirche der Helfensteiner. Es ist vermutlich im 16. Jahrhundert vergraben worden zum Schutz vor dem zugriff des Pfalzgrafen Ottheinrich.
Professor Andreas Bauch, Regens des Priesterseminars in Eichstätt, Professor an der dortigen Hochschule, ein gebürtiger Ensfelder, ließ in den 60er Jahren die Mauerreste der Ruine festigen, um sie vor gänzlichem Zerfall zu bewahren. Die Umgebung und das Innere wurde von Bäumen, Sträuchern und Gestrüpp freigelegt.
Genau 200 Jahre nach der Auflassung der Wallfahrtskirche (1783) stellte die Landjugend von Emskeim 1983 wieder ein massives Holzkreuz in der Ruine auf. Bald darauf folgte die Anbringung eines Bildes der Dreimal Wunderbaren Mutter von Schönstadt und eines Bildes der Spindeltal-Madonna durch Pfarrer Otto Maurer von Emskeim. Männer aus Emskeim, Altstetten und Umgebung ebneten den Boden der Ruine ein und füllten ihn mit Schotter auf. Ebenso fertigten Sie einen Altar und einen Ambo aus Stein.
Seit 1985 wallfahren wieder die Gläubigen aus der näheren und weiteren Umgebung zu Unserer Lieben Frau vom Spindeltal zu Rosenkranzgebet und Verkündigung des Wortes Gottes jeweils am 1. Sonntag der Monate Mai mit Oktober jeden Jahres.

 

Die wirkliche Geschichte vom Kirchlein im Spindeltal beruht nicht auf einer Sage, sondern ist urkundlich belegt. Im Jahre 1488 erbaute Graf Georg von Helfenstein auf Grund eines Gelübdes eine schöne geräumige Kirche, wie aus den noch vorhandenen Mauerresten ersichtlich ist. Und wo der Herrgott ein Haus hat, heißt es, hat neben dran der Teufel ein Häusle, will sagen, ein 

Wirtshaus. Und da durch Wallfahrten die Kirche wohlhabend wurde, florierte auch das Wirtshaus.  

Im Jahr 1073 wurde in Ensfeld die Kirche durch Bischof Gundekar von Eichstätt geweiht. Im Jahre 1542 führte Herzog Otto Heinrich von Neuburg die protestantische Lehre ein. Das  Kirchlein im Spindeltal wurde zerstört, das Wirtshaus blieb bestehen. Erst um 1617 wurde auch Ensfeld wieder katholisch, obwohl die Pfarrstelle noch bis 1648 unbesetzt blieb, sodass die Leute ihre Kinder zur Taufe von Ensfeld nach Mörnsheim tragen mussten.  

Am 27. Mai 1727 ritt der pfalzneuburgische Kastner Ferdinand von Schwab zur Wolfsjagd, wobei er vom Röglinger Oberförster Hans Michael Schweizer, ferner dem Röglinger Förster Ignaz Hager zu Ainsfeld und dem Neuburgischen Hofholzwart aus Lechsend mit Namen Andreas Böswald begleitet wurde. Um die Mittagsstunde kamen sie im Spindeltal an die Stelle, wo einmal die Kirche gestanden hatte. Da scheute das Pferd des Kastners, warf ihn ab und stürzte über ihn. 

Als seine entsetzten Gefährten ihn aber unbeschadet und zur Gänze heil unter dem Ross hervorzogen, dankte er Gott und gelobte, an dieser Stelle eine neue Kirche zu bauen. Nach eingehendem Studium alter Urkunden in den benachbarten Pfarreien fand er heraus, dass hier einmal „Unsere Liebe Frau“ gerastet habe. Als Zeichen besonderer Dankbarkeit stiftete er aus seinem Besitz ein wunderschönes Marienbild. 

Maria ist als Himmelskönigin dargestellt, mit goldener Krone und Zepter, im linken Arm trägt

sie das Jesuskindlein. Bei Wallfahrten zu diesem Gnadenbild sollen sich viele Wunder ereignet haben. So wurde das Kind des Kronenwirts zu Mörnsheim nach dreijähriger Blindheit wieder sehend. Eine Frau aus Feldkirchen mit Namen Eva Keller bat um Hilfe für ihren Mann, dem bei Waldarbeiten ein Arm zerschmettert worden war und der starke Schmerzen litt. Als sie von der Wallfahrt heimkam, war der Arm des Mannes geheilt, und auch sein Sohn, der taub gewesen war, konnte hören. Ebenso erlangten zwei seiner Brüder, Balthasar und Ignaz, die am gleichen Übel gelitten hatten, das Gehör.

Im Jahre 1931 genehmigte das Bezirksamt Donauwörth eine Grabung. Dabei wurde am 5. Dezember in drei Meter Tiefe eine ausgekleidete Höhlung freigelegt, in der sich eine lehmverkrustete Statue befand. Als man diese sorgfältig gereinigt hatte, kam eine ihrer Arme beraubte gotische Madonna hervor. Ihre Gewandung zeigte noch Bemalungsreste in gold, blau und rot. Wie ein gleichfalls gefundenes Engelshaupt wird diese Statue nun in der Kirche zu Ensfeld aufbewahrt. Sie gehörte wohl zur ursprünglichen Ausstattung der Kirche und war sicher zu ihrem Schutz vor zerstörerischen Horden im Jahre 1543 in der Erde verborgen worden. Und hier dürfte wohl die Sage von der „Madonna im Spindeltal“ ihren Ursprung haben.